Aus gegebenem Anlass

1915 schrieb der US-amerikanische Politikwissenschaftler John Burgess:

Bis zum Jahr 1898 hatten wir [eine begrenzte Regierung] in angemessener Ausprägung und in vollerem Maße als jeder andere Staat der Welt.

Es brauchte einige Nachjustierungen, aber keine radikalen oder revolutionären Veränderungen. Doch eignete eine begrenzte Regierung sich weder für imperialistische Politik im Ausland noch für ein paternalistisches Programm in der Heimat. So entstand eine Schule von Soziologen und politischen Ökonomen, die, ungeduldig gegenüber den freiwilligen Methoden der Religion, Wohltätigkeit und Nächstenliebe, versuchten, mit staatlicher Gewalt das zu erreichen, was sie soziale Gerechtigkeit nannten. Es steht außer Frage, dass sie einen starken Einfluss auf das Denken der Gegenwart ausgeübt haben, und sie lehrten die Politiker, dass es in einem System des allgemeinen Wahlrechts keinen Stimmenfang gibt, der mit dem Versprechen vergleichbar wäre, diejenigen, die etwas besitzen, zu zwingen, mit denen zu teilen, die nichts oder weniger besitzen. Hurrapatrioten und Sozialreformer taten sich zusammen und bildeten eine politische Partei, die drohte, die Regierung an sich zu reißen und sie für die Verwirklichung ihres Programms eines cäsarischen Paternalismus zu nutzen – eine Gefahr, die jetzt nur dadurch gebannt zu sein scheint, dass die anderen Parteien selbst dieses Programm in etwas milderem Grad und milderer Form übernommen haben. Alle Parteien bezeichnen sich heute als progressiv, und alle meinen mit dieser Behauptung im Grunde dasselbe, nämlich: eine Zunahme der Regierungsgewalt gegenüber den verfassungsmäßigen Freiheiten des Einzelnen, die gewaltsame Lösung der Probleme sozialer Beziehungen, die bisher durch Einfluss, Religion, Gewissen, Nächstenliebe und menschliches Gefühl geregelt wurden, die Ersetzung des Polizeiknüppels durch den Bischofsstab des Priesters, die Ablösung von Erziehung, Moral und Philanthropie durch Verwaltungsvorschriften.

Burgess, John W.: „The Reconciliation of Government with Liberty“, New York 1915.


Vielen Dank an Curtis Yarvin für den Hinweis.

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