Warum will Amnesty International Frauen wie mich zum Schweigen bringen?

Mit dem Erlass neuer Transgender-Gesetze zur Selbstidentifikation missachten Politiker die Rechte von Frauen und Kindern, sagt die irische Feministin Laoise Uí Aodha de Brún. Amnesty International möchte ihr die Plattform entziehen.

FDP und Bündnis 90/Die Grünen haben 2020 Gesetzesentwürfe zur Selbstbestimmung der Geschlechtsidentität vorgelegt. ALIAS veröffentlicht hier Laoise Uí Aodha de Brúns Beitrag zur Transgender-Debatte in Irland, wo ein ähnliches Gesetz bereits in Kraft getreten ist.


Sie wissen, dass Sie sich in einer verqueren Welt befinden, wenn eine renommierte Menschenrechtsorganisation eine Petition an Ihre Regierung richtet, um Sie daran zu hindern, sich an friedlichen Aktionen zu beteiligen und so Ihre Bedenken zu äußern.

Genau das ist es, was Amnesty International  in Irland getan hat, als diese Organisation sich 26 anderen öffentlich finanzierten NGOs der Trans-Lobby anschloss und folgenden außergewöhnlichen Appell unterzeichnete: „Wir fordern Medien und Politiker auf, nicht länger jenen eine rechtmäßige Vertretung zu bieten, die intolerante Überzeugungen teilen.“

Welche Sünde haben wir begangen? Der von Amnesty unterzeichnete Brief richtet sich gegen alle, die sich organisieren, um die schädlichen Auswirkungen der Trans-Ideologie und des Trans-Aktivismus für Frauen und Kinder anzuprangern. Wenn jeder Mann – wie es in Irland der Fall ist – ein Formular ausfüllen kann und dadurch rechtlich eine Frau „in jeder Hinsicht“ wird, ist das keine Rechtsfiktion. Es ist ein All-Access-Passierschein für Sexualstraftäter. Das soll nicht heißen, dass alle Menschen, die sich als Trans-Person identifizieren, potenzielle Sexualstraftäter sind. Aber sollen wir wirklich glauben, dass sexuelle Gewalttäter, um Zugang zu ihren Opfern zu bekommen, zwar eine Ausbildung zum Priester absolvieren, aber kein behördliches Formular ausfüllen würden?


Gefährdung von Frauen

Seit das irische Gesetz zur Selbstidentifikation in Kraft getreten ist, sind zwei solcher Sexualstraftäter mit Frauen im Gefängnis von Limerick eingesperrt. Einer von ihnen wurde wegen zehn sexuellen Übergriffen und einem Fall von Kindesmisshandlung verurteilt. Bei dem anderen Straftäter handelt es sich um einen hochgradig gestörten Jugendlichen, der eine Sozialarbeiterin angegriffen und ihr das Augenlid abgerissen hat.

Offensichtlich gibt es im derzeitigen System kein medizinisches Gatekeeping oder sonstige Schutzmaßnahmen.

Laoise Uí Aodha de Brún

Beide Gefängnisinsassen sind – biologisch – völlig intakte Männer, die Berichten zufolge aber Bescheinigungen über eine Anerkennung als Frau erhielten. Offensichtlich gibt es im derzeitigen System kein medizinisches Gatekeeping oder sonstige Schutzmaßnahmen. Es ist auch nicht erforderlich, dass man sich einer Operation unterzogen oder Hormone eingenommen hat. Jeder kann einen Antrag stellen, und niemand wurde je abgelehnt. Das ist das Wesen der Selbstidentifikation: Sie bekräftigt die Wünsche der transidenten Person – auch wenn sie ein Vergewaltiger ist. Oder ein Mann, der Frauen ermorden will oder schlicht wegen des Kicks, den ihm die Grenzüberschreitung bringt, Zugang zu Orten möchte, die eigentlich Frauen vorbehalten sind. Diese Art von System ist schädlich für die gesamte Gesellschaft – auch für echte Transsexuelle.

Wir akzeptieren nicht, dass Männer – egal, als was sie sich identifizieren – Zugang zu Frauen-Toiletten und -Umkleideräumen, Krankenhausstationen für Frauen oder Frauenhäusern haben. Das ist kein konservativer Standpunkt. Es ist die Grundlage, auf der man eine Gesellschaft ordnet. Jede Zivilisation, zu allen Zeiten und an allen Orten, hat Personen auf diese Weise geschützt. Es handelt sich um einen Schutz, der notwendig ist, um die Privatsphäre, Würde und Sicherheit der Menschen zu gewährleisten.


Einwilligung auf falscher Basis

Geschlechtsbezogene Rechte beruhen auf Einwilligungen. Wenn eine Frau in ihrem örtlichen Schwimmbad eine Gemeinschafts-Umkleidekabine für weibliche Badegäste nutzt, willigt sie ein, diesen Raum mit anderen Frauen zu teilen – nicht mit Männern, die sich als Frauen identifizieren. Genauso kann eine Frau einer invasiven Untersuchung durch ihren männlichen Arzt zustimmen. Aber wenn sie stattdessen einen weiblichen Arzt verlangt, willigt sie nicht in die Behandlung durch einen männlichen Arzt ein, der sich als Frau identifiziert.

Wenn transidente Männer im Frauensport aktiv sein dürfen, führt das zu Verletzungen aufseiten der Frauen und Mädchen. Möglicherweise fallen diese so verheerend aus, dass sie den Tod nach sich ziehen. Wenn Männer gegen Frauen antreten, wird Frauensport schon bald nicht mehr existieren. Denn am Testosteronspiegel eines Mannes Änderungen vorzunehmen, ändert nichts an den Vorteilen in puncto Masse, Kraft, Stärke und Schnelligkeit, die das Ergebnis der männlichen Pubertät sind.

Trans-Rechte existieren nicht im leeren Raum. Sie existieren in direktem Konflikt mit den Rechten der Frauen. Wir fordern eine erwachsene Debatte über diesen Konflikt. Unterstützt werden wir dabei durch die schweigende Mehrheit, die weiß, dass sich das Geschlecht nicht einfach so ändern lässt und es überdies eine Rolle spielt, wenn es um den Schutz von Frauen und Kindern geht.

Das Wort „Männer“ bleibt in den Prostata-Screening-Ratschlägen der Behörde unangetastet – nur Frauen verlieren ihre Sprache. 

LAOISE UÍ AODHA DE BRÚN

Wir sind auch entschieden gegen die medizinische und soziale („Geschlechts“-)Umwandlung bei Kindern und Jugendlichen. Das bahnbrechende Keira-Bell-Urteil in Großbritannien beschleunigt dankenswerterweise das Ende der medizinischen Umwandlung. Aber auf sozialer Ebene ist sie für Kinder weiterhin schädlich. Sobald die Identität von Kindern oder Jugendlichen öffentlich bestätigt wird, gibt es für sie, falls sie ihre Meinung ändern, keinen einfachen Weg zurück. Das affirmative Modell schützt auch nicht das transidente Kind, und Trans-Lobbygruppen regen schwerwiegende Verstöße gegen den Kinderschutz an, wenn sie Lehrern raten, die Eltern nicht darüber zu informieren, dass ihr Kind eine soziale Umwandlung anstrebt.


Sprachregelungen

Wir fordern auch, dass Trans-Ideologie und -Aktivismus nicht die Politik und Sprache des öffentlichen Gesundheitswesens bestimmen. Noch immer sterben Frauen an den Folgen des Skandals um Gebärmutterhalsuntersuchungen und der anschließenden Vertuschung durch die irische Gesundheitsbehörde. Dennoch hat derselbe Dienst für Gebärmutterhals-Screening das Wort „Frauen“ aus seiner Literatur gestrichen und durch die entmenschlichende Phrase „jeder mit einem Gebärmutterhals“ ersetzt. Das Wort „Männer“ bleibt in den Prostata-Screening-Ratschlägen dieser Behörde unangetastet – nur Frauen verlieren ihre Sprache. Das liegt daran, dass die weibliche Biologie auf transidente Männer triggernd wirkt, und sie sind es, die den Trans-Aktivismus anführen.

Unsere Gruppe ist Teil eines globalen Basiswiderstands gegen Trans-Aktivismus. Mir fällt oft auf, dass Aktivistinnen sich als „Urenkelinnen der Hexen, die ihr nicht verbrannt habt“ bezeichnen, in Anspielung auf den massenhaften Femizid der frühen Neuzeit zwischen 1450 und 1750. Auch wir erkennen dieses Kontinuum an. In Irland brauchen wir nur einen Blick über die Schulter zu werfen, um uns an 70 Jahre systematische Folter, Missbrauch, Beschämung und Einkerkerung von Frauen und Kindern zu erinnern.


Eine neue Theokratie?

Das letzte Magdalenenheim ist 1997 geschlossen worden (Magdalenenheime waren meist kirchlich geführte Korrektions- und Besserungsanstalten für Prostituierte, unverheiratete Mütter und andere „gefallene Mädchen“; Anm. d. Red.). In diesen Institutionen wurden Säuglinge ihren unverheirateten Müttern weggenommen und verkauft. Viele andere überließ man dem Tod. Ihre Körper wurden in Massengräbern verscharrt oder an medizinische Hochschulen gespendet. Das war staatlich geförderte Folter an Frauen und Kindern in industriellem Ausmaß. Aber die Kirche hat diese Frauen nicht entführt – ihre Familien lieferten sie aus, nachdem sie einer Gehirnwäsche unterzogen worden waren oder man sie so lange verängstigt hatte, bis sie einwilligten. Es handelte sich um eine Trias aus Staat, Kirche und Gesellschaft. Dem Staat kam es gelegen, die Sozialfürsorge an die Orden auszulagern, weil er so keinen Sozialstaat aufbauen musste und die Kirche freie Hand hatte.

In derselben Woche, in der die von Amnesty unterzeichnete Petition forderte, uns die politische Vertretung zu verweigern, hat der irische Minister für Kinder (der kürzlich versucht hat, die Verwaltungsakten zu versiegeln, die die Rolle des Staates bei dieser systemischen Menschenrechtsverletzung an Frauen und Kindern katalogisierten) den Internationalen Kindertag weder gefeiert noch erwähnt. Er entschied sich stattdessen, den Trans-Gedenktag zu begehen, obwohl es keine Berichte darüber gibt, dass jemals eine transidente Person in Irland ermordet wurde.

Tief in unserem Inneren erkennen wir als Nachkommen der alten Theokratie die neue. Das Gesetz zur Selbstidentifikation wurde im Wesentlichen heimlich verabschiedet. Man hat uns nicht konsultiert. Aber wir werden gehört werden.


Laoise Uí Aodha de Brún ist Gründerin der Organisation The Countess Didn’t Fight For This, die sich für eine Änderung des Gesetzes zur Geschlechtsanerkennung in Irland einsetzt.


Vielen Dank an die Redaktion von SPIKED, wo dieser Text in englischer Fassung erschienen ist.

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