Idiots in Love, Teil 2

Heute: Georg Kurz liebt Deutschlands Grundschüler

Merkel oder Mussolini? Wer alt genug ist, um seinen Namen buchstabieren zu können, soll solche Entscheidungen künftig mittreffen dürfen, findet Georg Kurz von der Grünen Jugend.

Und da dachten wir Nasen aus der ALIAS-Redaktion bisher, in der deutschen Politik bestünde kein Zweifel daran, dass die Demokratie, wie schon Karl Jaspers schulmeisterte, zumindest „die Vernunft im Volke voraussetzt“. Au contraire, meint die Grüne Jugend.

Die Nachwuchsorganisation der Partei Bündnis 90/Die Grünen möchte die Altersgrenze für die Teilnahme an den Bundestagswahlen abschaffen, scheint das Wählen von Volksvertretern also eher als Lotterie zu begreifen. Das ist lustig und lädt zum Klamauk ein. Spaßbremsen, die wir sind, schieben wir aber, bevor es gleich heiter bis närrisch wird, harte Fakten vorneweg.

Der Stand der Dinge, aus denen eiskalt die Realität entspringt, lässt sich in diesem Fall mit einem Satz zusammenfassen: Die Jugend, nicht nur die grüne, hat nicht alle Latten am Zaun, dafür aber die Federtaschen voller Einfalt. Wie gelangen wir zu dieser Anschauung? Einige von uns waren selbst mal minderjährig.

Schamrot erinnert ein Teil der ALIAS-Redaktion sich an meterlange, aus Abflussrohren gezimmerte Bongs, den Fahrtwind, der einem beim S-Bahn-Surfen die Haare zerzauste, und bitterböse Handgemenge, entfesselt durch hinterrücks zerrupfte Milli-Vanilli-Poster (zum Verständnis für unsere jüngeren Leser: Fab Morvan und Rob Pilatus aka Milli Vanilli waren die RAF Camora und Capital Bra der frühen Neunziger).

Seit einigen Jahren kennt die Neurowissenschaft den Grund für den adoleszenten Willen zur Dumpfbackigkeit.

Obendrein bestätigt die Strenge der Wissenschaft unsere subjektive Erkenntnis darüber, wie jämmerlich es um die geistige Schlagkraft der Jugend bestellt ist. Rund 60 Prozent aller Todesfälle unter 15- bis 20-Jährigen wären vermeidbar, weiß das Statistische Bundesamt. Die Big-Five der Teenie-Killer sind Verkehrsunfälle, Gewalt, Drogenmissbrauch, ungeschützter Geschlechtsverkehr und Selbstverletzungen.

Seit einigen Jahren kennt die Neurowissenschaft den Grund für den adoleszenten Willen zur Dumpfbackigkeit. Mama und Papa dürfen aufatmen: Es ist nicht ihre Erziehung, die den Nachwuchs Crystal Meth schniefen, mit Bleifuß durch die Dreißigerzone knallen oder das Butterfly-Messer zücken lässt. Pubertät und Übermut gehen prächtig zusammen, weil es die Biologie so will. „The kids are alright“, es mangelt ihnen aber an grauen Zellen.

Sorry, Grüne Jugend, jetzt wird es nochmal knifflig: Forscher haben herausgefunden, dass der sogenannte präfrontale Cortex – jener Teil unseres Gehirns, der direkt hinter der Stirn liegt – erst mit rund 25 Jahren voll entwickelt ist. Diese Hirnregion befähigt den Menschen, selbst dann das Richtige zu tun, wenn es ihm schwerfällt. Langfristiges Planen, Aggressionsbewältigung, Beherrschung des Sexualtriebs, analytisches Denken, Priorisierungen … Alles mehr oder minder Fragen eines vollentwickelten Stirnhirns, wie der präfrontale Cortex auch genannt wird.

Henry Alexander (links) hält die Forderung der FDP, die Höhe der Sozialausgaben grundsätzlich bei 50 Prozent des Bundeshaushalts zu deckeln, für töricht. (Foto: Wikimedia Commons)

Die Tatsache, dass sich deutlich mehr Kinder als Erwachsene Zeter und Mordio kreischend auf dem Boden winden, weil ihnen das Ü-Ei aus dem Supermarktkassen-Regal verwehrt wurde, lässt erahnen, wie drastisch mit sinkendem Alter auch die Vernunftfähigkeit abnimmt – und also das Neuronenvolumen des präfrontalen Cortex.

Leah H. Somerville, Professorin an der Universität Harvard, plädiert dafür, dass die Justiz solche Erkenntnisse bei der Verurteilung Jugendlicher berücksichtigen möge. Eine durchaus gut begründbare Forderung, wenn man weiß, dass zwischen der Volljährigkeit mit 18 Jahren und der Fähigkeit, wirklich vernünftig zu handeln, im Schnitt noch sieben Jahre liegen.

Die Grüne Jugend wünscht sich dennoch Kinder an die Urnen. „Wählen ist ein demokratisches Grundrecht. Das muss für alle Menschen gelten“, sagt Georg Kurz. Mit seinen 27 Jahren hat Kurz es nicht nur zum Bundessprecher der Grünen Jugend gebracht, er ist auch knabenhafter Beweis dafür, dass der Sachverhalt, das magische Alter 25 um zwei Jahre überschritten zu haben, noch kein Garant dafür ist, der schieren Dummheit entronnen zu sein.

„Demokratie bedeutet, dass man über die eigenen Lebensumstände selbst mitbestimmen darf“, verriet Kurz dem Spiegel. „Das pauschal einer bestimmten Gruppe gesetzlich zu verwehren, halten wir für falsch.“

Bei den Kleinen ist die Aufregung heute groß: Gleich geht’s mit dem Roller ins Wahllokal. (Foto: Wikimedia Commons)

Jeder, der sich zur Wahl anmelden kann, verlangt die Grüne Jugend daher konsequent, muss auch mitbestimmen dürfen, wer Deutschland regiert. Geht es nach Kurz, soll mithin der Umstand, des Lesens und Schreibens mächtig zu sein, die einzige Voraussetzung darstellen, um potenziell Annalena Baerbock, Knossi oder wer auch immer gerade Chef beim Islamischen Staat ist, ins dunkle Herz der Berliner Republik zu wählen.

„In anderen Lebensbereichen“, so Kurz weiter, „schließen wir junge Menschen ja auch nicht einfach pauschal aus“. Was gar nicht mal schlecht gedacht ist, mutmaßt ALIAS insgeheim, denn sollte eines Tages im Grüne-Jugend-Utopia die Kinder-Gestapo vor unserer Redaktionstür stehen, ließe sich diese Unannehmlichkeit ja vielleicht schon mit einer Handvoll saurer Lollis regeln.

Wie knödelte doch weiland Herbert Grönemeyer, Stichwortgeber der deutschen Vertrauenslehrer und Wellness-Retreat-Betreiber? „Die Armeen aus Gummibärchen, die Panzer aus Marzipan. Kriege werden aufgegessen. Einfacher Plan – kindlich genial!“

Kriege werden aufgegessen. Einfacher Plan – kindlich genial!

Herbert Grönemeyer

Haben in der Klapsmühle die Irren das Kommando an sich gerissen, so empfahl uns unlängst ein glasäugiger Fremdenlegionär, tue man gut daran, Speichelfäden aus seinen Mundwinkeln triefen zu lassen und lauthals vom Triumph der eigenen Truppen über das preußische Heer bei Dresden zu prahlen.

ALIAS sagt deshalb ja zum Wahnwitz und freut sich auf die Nacht, in der uns Erstklässler den siebten Gin Tonic über den Tresen schieben, uns auf der Heimfahrt aus dem Verkehr winken und, sollten wir in unserem paternalistischen Überschwang handgreiflich geworden sein, schließlich in richterlicher Robe zu einer Zahl von Tagessätzen verurteilen, die sich gewaschen hat. Wyld!

Aber jetzt mal ohne Quatsch, ey.

Wir wissen uns die Unterbelichtung des Jungpolitikers in dieser Sache nicht anders zu erklären und stellen daher fest: Georg Kurz liebt Deutschlands Grundschüler (unser Anwalt rät hier zu folgendem Einschub: „nicht wie der Dieter sein Teppichluder“).

ALIAS wünscht dem jungen Glück ganz, ganz süße Einträge in ihre Poesiealben und so wenige doppelte Pokémon-Sammelkarten wie irgend möglich.

Cowabunga!

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